Mokkakocher

Eigentlich liegt ja bei E. auf dem Dachboden eine prima, recht moderne und auch gut funktionierende echte Espressomaschine – nur leider wiegt sie mindestens vier kg – und das ist einfach eine Menge, wenn man noch 11 Umzugskartons an Kram zwischengelagert hat, bei jedem Flug aber nur 30 kg mitnehmen kann – und da ich dann auch noch mit 10 kg aus Istanbul nach Deutschland komme, bleiben nur 20 kg, die ich nach Bedarf füllen muss, die Espressomaschine stand bisher nicht auf Platz 1 der Prioritätenliste.

Aber jetzt brauchte ich einfach mal die Gelegenheit, guten Kaffee zu kochen. Also zog ich los, einen Mokkakocher zu besorgen, jenes kleine praktische Aluteil, das wir in Deutschland in fast jedem Haushalt haben, wo unten Wasser reinkommt, dann das Sieb mit Kaffepulver und obenauf der Behälter aufgeschraubt wird, in den der fertige Kaffee dann per Druck beim Kochen transportiert wird.
Aber genau dieses einfache, nicht unbedingt teure Ding, in Deutschland fast überall zu finden, entspricht nicht ganz den türkischen Gewohnheiten, also ist es eben nicht überall zu bekommen.
Hier in Ortaköy habe ich in den drei fraglichen Läden keines bekommen können, im dritten aber immerhin wurde mir der passende Name gesagt und bedauernd mitgeteilt, dass gerade keines auf Lager sei. Also zog ich los nach Besiktas, einem Stadtteil mit vielen jungen Menschen, Kaffees, Ausländern. Dort wollte ich fündig werden.

Im Fachladen für alles rund um den Kaffee bekam ich immerhin Espresso – gibt es ja auch nicht überall. Von einem Espresso- oder Mokkakocher hatten sie noch nie gehört.
Also ging es weiter in eine Vielzahl von Läden, die Küchenkram verkaufen. Auch hier verstand man immerhin in zwei Läden, was ich suchte, in den anderen hatte man von jenen kleinen Maschinchen noch nie gehört.

Also beschloss ich, nach Asien überzusetzen, in mein geliebtes Kadiköy, wo ich mich etwas besser auskenne und wo ich notfalls auch Leute kenne, die mir vielleicht hätten helfen können.

Auf dem Weg zum Fähranleger kamen wir dann noch an einem winzigen Laden vorbei, der Töpfe der untersten Qualität verkauft, eine Menge Ramsch, billig billig eben. Und genau der gute Mann hatte meinen gesuchten Mokkakocher auf Lager – yuppieh.

(Doch für das Waffeleisen, dass ich als Überraschung für S. nebenbei auch noch suchte, und dass es in keinem der Kücheneelektronikläden am Weg gab, musste ich denn doch nach Asien, denn dort gab es solche Waffeleisen im Laden einer, richtig, einer deutschen, Kaffeefirma, das wusste ich schon

– kaum waren wir in diesem Laden (die Filiale in Besiktas wurde kürzlich geschlossen, die hier in Ortaköy wird umgebaut) begrüßten mich auch schon die entzückenden kleinen bunten Espressokocher, die sonst nirgends zu finden gewesen waren und eben auch das Waffeleisen …)

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moderne Kommunikation

Ausnahmsweise habe ich gut geplant: schon vier, fünf Tage bevor ich in Deutschland aufschlage, habe ich mit B. ausgemacht, den ersten Tag bei ihm zu bleiben und erst am nächsten Tag auf’s Dorf zu fahren.
Jetzt habe ich per Whatsapp von E. eine Nachricht bekommen, dass ich am zweiten Tag, wenn möglich, doch früh morgens eine Krankenfahrt übernehmen soll – gut, mache ich, also muss ich mit B. besprechen, dass ich doch noch am ersten Tag weiterfahre, während ich mit E. organisiere, dass sie mich bei B. abholt (auf dem Dorf sind die Transportmöglichkeiten leider sehr eingeschränkt).

Also sitze ich in Istanbul auf dem Sofa, leite B.’s Einladung an E. weiter, sie fragt diesbezüglich einiges, was ich an B. weiterleite, bekomme natürlich von ihm die Antworten, die ich an E. weiterleite, während E. mit T. kommmuniziert, mir seine Antworten weiterleitet, was ich dann wieder an B. weiterleite – Ich schreibe also “ ‚voll gern‘ schreibt T. schreibt E. “

Vielleicht hätten wir eine Gruppe aufmachen sollen …

 

Rauchverbot

Wenn mitten im Konzert der Sänger in der Mitte eines Liedes plötzlich sagt, man solle bitte ganz schnell Zigaretten und Feuerzeuge vom Tisch verschwinden lassen, eine Bedienung die ein wenig mit Wasser gefüllten Papbecher von den Tischen holt, um dann ganz normal im Lied fortzufahren, dann weiß man wieder, dass auch in der Türkei in Kneipen, Bars und Clubs eigentlich Rauchverbot herrscht.
Wenn dann wieder Pappbecher verteilt werden, weiß man, dass die Gefahr einer Kontrolle vorbei gewandert ist.

Im falschen Land …

bin ich offensichtlich.
Die letzten sechs Jahre habe ich in Indien bei durchgehend tropischen Temperaturen (in Chennai lagen die Tiefsttemperaturen im Winter bei 22, 23° nachts, in Bangalore dann waren es nur noch 15°C – und das war das extreme Minimum im tiefsten Winter).
Jetzt bin ich in Istanbul. Hier hat es heute geschneit!
(Na gut, ich habe in der warmen Wohnung nichts davon mitgekriegt, als ich hinaus ging, war es zwar kalt, aber schon fast sonnig, aber S. war im Schnee unterwegs und war ganz begeistert von den großen großen Schneeflocken)
Auf meinem täglichen Spaziergang konnte ich vom Schnee nichts mehr sehen, aber immerhin mal einen Blick auf den Bosporus werfen …

18-12-12-9589

Fernsehen mit Bildungsauftrag?

Heute hatte ich das Vergnügen, eine Sendung im Fernsehen zu sehen, die unter dem Titel „aus allen Blickwinkeln“ die Frage zum Inhalt hatte, wer hinter der Gülenbewegung steckt, die die türkische Regierung ja nach wie vor für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich macht – nachdem Erdogan ja vor Jahren ganz offen sagte, dass er Hitler als ein gutes Beispiel und dementsprechend Vorbild für Präsidentensystem sieht (das er ja jetzt in der Türkei auch eingeführt hat), habe ich durchaus meine Zweifel – Erdogan hat vermutlich aus Hitlers Geschichte nicht nur die ‚Vorzüge‘ eines Präsidialsystems gelernt, sondern auch einige andere Tricks, die die Nazis bei der Machtergreifung und Machtkonsolidierung nutzten – zu denen ja auch der berühmt berüchtigte Röhmputsch gehört …

Aber zurück zu „aus allen Blickwinkeln“: Anhand von Photos wurde ‚bewiesen‘, dass die Nato hinter der Gülenbewegung steckt oder nein, nicht wirkich die Nato, sondern ein paar verschiedene Organisationen, die ja bekanntlich schon immer für alles politische verantwortlich sind: jüdische Bankiers, Zionisten, Opus Dei, dann auch die Nato, der CIA, nicht zu vergessen Südafrika und vor allem Israel und noch einige weitere.
Das Ganze wurde eben mit jenen Photos belegt, ausgehend von irgendwelchen frei gewählten Photos von Leuten, die Gülen irgendwann mal trafen, dann später oder früher andere Leute trafen bis eine Verbindung zu jener sagenumwobenen Superübergeheimgesellschaft hergestellt war, zu denen die Leute eben alle gehörten: eben die für so ziemlich jede Weltverschwörung herangezogenen jüdischen Bankiers und mit ihnen Israel und die Zionisten weltweit. Und die bedienen sich ja in allen solchen Verschwörungsmärchen überall und alle sind ihnen hörig.

Oft kam zwar das Eingeständnis „Ich kann es nicht belegen, aber es ist klar, dass es kein Zufall ist, dass erst xy nach Amerika reiste und Gülen einen Monat später“ … Die einzigen Belege, die gebracht wurden, sind eben jene Photos: Gülen hat in seinem Leben tausende Menschen getroffen, oft zum Beispiel so ziemlich alle wichtigen Leute aus Erdogans Kreisen,  er  war ein politischer Weggefährte Erdogans und ‚Freund‘, bis Erdogan so weit war, die Macht allein in Händen halten zu wollen, aber eben auch viele andere Leute wie z.B. Vertreter anderer Glaubensgemeinschaften, die als Vertreter dieser Gemeinschaften bei Veranstaltungen zum Dialog zwischen den Religionen beteiligt waren, Politiker, Leute aus der Wirtschaft — Natürlich gibt es davon Bilder. Und natürlich gibt es von den Leuten dann wiederum Bilder und wenn man sich an solchen Bilderketten entlang hangelt, kann man alles belegen, zum Beispiel sicher auch, dass Deutschland hinter Gülen steckt, denn es gibt unter Garantie Photos von Gülen mit Leuten, die dann auch gemeinsam mit deutschen Politikern photographiert wurden. Aber vielleicht steckt ja auch Fritz Meyer aus Buxtehude hinter der Superverschwörung, eine solche Bilderkette lässt sich ja heutzutage zwischen allen Menschen herstellen.

Vergessen darf man bei solchen Sendungen im türkischen Fernsehen nicht, dass es inzwischen keinen Sender mehr gibt, der wirklich unabhängig von der türkischen Regierung wäre. Sie sind vielleicht nicht immer direktes Sprachrohr der Regierung, aber sie wagen es schon lange nicht mehr, irgend etwas zu behaupten, von dem sie Angst haben müssten, es würde der Regierung nicht gefallen.

Getränk des Tages: Boza

In der alten Türkei im Winter gab es ganz alltäglich den Gesang der Bozaverkäufer, die durch die Straßen zogen, um ihre Ware anzupreisen, ein lauter, melodischer Ruf „Booooozaaaaa“. Ich war postiv überrascht, diesen Ruf auch heute noch in unserer Nachbarschaft zu hören. Einfach schön, dass es das auch heute noch gibt – und der Bozaverkäufer bei uns hat einfach eine gute Stimme …

(Boza ist ein – nicht alkoholisches – Getränk, das aus vergorenem Weizen oder Reis gewonnen wird, schmeckt ein wenig wie sehr milder Apfelmus und ist reich an Vitaminen und anderen gesunden Sachen und ich mag es einfach)

Heute haben wir, die wir beide noch nie bei einem Bozaci (gesprochen Bosadsche) gekauft haben,  ihn einfach vom Balkon aus gefragt, wie der Verkauf funktioniert: er misst aus seiner großen Kanne, die er auf dem Rücken trägt in einem Messbecher einen Liter ab, man gibt ihm ein entsprechendes Gefäß und er füllt einem das Boza ein (ich habe einfach mal entschieden, dass Boza wie das Getränk den neutralen Artikel bekommt). Also sausten wir mit einer leeren Glasflasche hinunter vor die Tür und bekamen unseren Liter Boza.  Dafür haben wir dann zwar 25 Lira bezahlt, für mich etwas mehr als  4 Euro aber für einen türkischen Arbeitnehmer mit offzizellem Mindestlohn 1,6 Prozent des Lohns, während wir im Laden nur 15 Lira bezahlen würden, aber für den Service und das gute Gefühl zahle ich gern etwas mehr – es war sicher nicht das letzte Mal, dass wir vom Straßenhändler Boza einkaufen.

Glocken

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich es genieße, hier fast jeden Tag relativ nah Kirchenglocken zu hören? Die beiden (armenischen) Kirchen hier sind näher als die nächste Moschee und wechseln sich scheinbar immer mal ab mit dem Geläut – am Wochenende sind es ganz normale Gottesdienste, zu denen geladen wird, in der Woche kann ich mir vorstellen, dass in der einen Kirche öfter mal zu Beerdigungen geläutet wird, der Friedhof ist nicht weit.
Interessant dabei ist, dass es mir ähnlich ging, wenn ich in Indien den Gebetsruf von Moscheen hörte, die gibt es dort ja auch öfter. Hier erinnern mich die Glocken an meine eine Heimat Deutschland, in Indien erinnerten mich die Muezzine an meine andere Heimat Istanbul (nur dass hier die Muezzine im Durchschnitt tausend mal besser singen/rufen als die in Indien)

und anderes aus der weiten Welt