andere Länder, andere Sitten oder so

Im fernen Istanbul benutze ich eine kleine praktische Map-Anwendung auf dem Telephon, die mir zuverlässig verschiedene Verkehrsverbindungen mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln zeigt – bisher tatsächlich ausführlich, zuverlässig, unter Berücksichtigung der meisten, wenn nicht aller verfügbarer Verkehrsmittel  und immer sehr gut funktionierend – selbst die angegebenen Zeiten entsprechen recht gut der Zeit, die man dann wirklich für den Weg braucht.

Im modernen mitteleuropäischen Kasseler Umfeld  stehe ich an der Haltestelle wohl wissend, dass die Straßenbahn in den nächsten Minuten ankommt (ich habe sie schon in einigen Kilometern Entfernung  herankommen sehen), während die selbe kleine, praktische Map-Anwendung mir sagt, die nächste Bahn (einer ganz anderen Linie, die hier gar nicht hält) käme erst am nächsten Montag wieder, fast zwei ganze Tage später – Verbindungen, um mein Endziel zu erreichen, wurden gar keine angezeigt …

In Indien wiederrum zeigte mir die selbe App zuverlässig günstige Wege für Motorräder an, was hier in Deutschland und der Türkei gar nicht vorgesehen ist, während es dort gar nicht erst die Option für öffentlichen Nahverkehr gibt.

Schon interessant, dass die gleiche App auf dem selben Handy in unterschiedlichen Ländern ganz unterschiedlich arbeitet …

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Gas: Dialog im Café

Wir gingen heute Abend hier in Ortaköy in ein Café – S.ist regelmäßig hungrig, wenn sie von der Arbeit heim kommt und ich bin regelmäßig zu faul zum Kochen.

Ja, es roch seltsam in der Straße – ein Geruch, den ich zwar kannte, aber erstmal nicht wirklich einordnen konnte. Von den Cafébetreibern hörte ich den folgenden Dialog:
A: Hier riecht es nach Tränengas.
B: Das kommt von der Straße.
A: Stimmt, es kommt von draußen. Was ist denn los?
B: Heute ist doch der achte März, Frauentag. Es gibt bestimmt eine Demonstration. Da wird die Polizei wohl Tränengas einsetzen.

Ja, jetzt, wo es gesagt worden war, erkannte ich den Geruch.
Ich googelte also gleich, was wohl los war. Googeln auf türkisch brachte erst Stunden später Erfolge. Auf Englisch gab es die ersten Funde , zum Beispiel dann auch bei Al Jazeera, die ich nach wie vor für recht zuverlässig halte. Danach wurde die Istiklar Caddessi, Istanbuls größte und bekannteste Einkaufs- und Fußstraße von der Polizei abgesperrt, die Demonstration zum Weltfrauentag in Nebenstraßen abgedrängt, unter Einsatz von Gummigeschossen, Tränengas, Wasserwerfern, Hunden usw.

(Natürlich wird das von den großen türkischen Medien, die inzwischen alle gleichgeschaltet sind (nicht ohne Grund nennt Erdogan Hitler ein „gutes Beispiel“) nicht erwähnt)

Was ich dabei auch erschreckend finde: Der Taksim und die Istiklal Caddessi sind von uns mindestens drei,  dreieinhalb Kilometer Luftlinie entfernt – und wenn wir hier das Tränengas riechen können, muss davon eine ganze Menge abgefeuert worden sein – gegen eine Demonstration, von der nirgends gesagt wird, dass von ihr, in welcher Form auch immer, Gewalt ausging .

dunkle Tage

Zwei dunkle Tage habe ich hinter mir, dunkel waren sie nicht im Wettersinn (inzwischen heule ich mich ja hier regelmäßig über das bescheidene Wetter aus, also nur kurz: gestern fing der Regen an, als ich das Haus verließ, teilweise richtig fieser Regen über Stunden, heute dagegen strahlend blauer Himmel – wenn auch mit fünf, sechs Grad nicht wirklich warm). Dunkel waren sie im Kopfschmerzsinn, die Kopfschmerzen fingen gestern gegen Mittag an, ließen mich auch in der Nacht erst gegen vier Uhr schlafen, waren heute Morgen zwar weniger, wurden aber trotz Pillen und ausgedehntem Spaziergang gegen Nachmittag wieder grausam …
Gestern musste ich raus, weil mir der Kaffee ausgegangen war, also wanderte ich zum Fähranleger, fuhr mal eben nach Asien rüber, ging zum Kaffeeladen meines Vertrauens und kehrte wacker mit der anderen Fähre zurück, auf dass ich drei Kilometer mehr zu wandern hatte – langsam, halb gelähmt aber doch wacker gehend um mich über den Regenschirm zu freuen aber zu Hause dann gelähmt auf dem Sofa umzufallen, weil es einfach nur noch pochte im Hirn.
Heute zeigte ich unserer Besucherin den großen Basar, wie gesagt, anfangs kaum schmerzgehanicapped, später dann aber wirklich leidend, so dass ich einfach langsam langsam nach Hause wanderte – immerhin halfen die Pillen heute so weit, dass es zu Hause dann nur noch ein dumpfer Schmerz war …
Zu Hause dann half das geniale Hausmittel Pfefferminzöl, rund um den Haaransatz aufgetragen kribbelte es mich in den Schlaf und als ich aufwachte, war außer einem dumpfen Gefühl im Kopf nicht mehr viel übrig, inzwischen kann ich sogar wieder vor dem Computer sitzen …
Photographieren konnte ich allerdings gar nicht, also gibt es nur ein uraltes Bild aus dem Archiv.

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Milchunfall

Eigentlich packe ich meine Einkäufe ja immer ganz ordentlich ein, schwere Sachen unten, leichte oben, zerbrechliche oder quetschliche ganz oben – ganz deutsch eben, wie S. das mal (fast bewundernd) sagte.
Warum ich das heute nicht so richtig hingekriegt habe, weiß ich nicht, auf jeden Fall standen am Ende die Milchtetrapacks nicht aufrecht nebeneinander sonden lagen aufeinander, darüber noch etwas Käse, ein paar Äpfel und obendrauf die Mandarinen, gar nicht sooo viel.

Als ich zu Hause ankam hatte ich einen Milchschnee im Rucksack – also wurde nichts daraus, raus zu gehen  und rüber nach Asien zu fahren, um dann beim bekannten Kaffeegroßhändler den guten speziellen Kaffee einzukaufen, wie das geplant war  – und dabei hätte ich sicher auch noch ein paar Photos gemacht, habe ich doch normalerweise immer eine Kamera im Rucksack (diesmal immerhin nicht, sonst wäre es wohl ziemlich teuer geworden, Milch in Kamera ist nicht das, was sich gut anhört) …
Stattdessen blieb ich erstmal brav zu Hause, räumte die Milchüberschwemmung auf und wusch dann auch gleich mal den Rucksack ordentlich aus – die passende Wäsche, mit der ich ihn gleich hätte mit in der Maschine waschen können, hatte ich natürlich gerade passenderweise vor dem Einkauf gestartet, also war Handwäsche angesagt.
Kurz und gut, es ist nur ein kleiner Spaziergang geworden, aber dafür gibt es jetzt einen richtig sauberen Rucksack, ein geputztes Bad und eine einigermaßen aufgeräumte Küche, hat ja auch was.

Heute mal kein Schneeregen

Heldenhaft habe ich mich heute noch kräftiger eingemummelt als gestern und bin hinaus in die garstige Winterwelt Istanbuls gestapft. Immerhin hat es nicht geschneeregnet und der Wind war auch nicht mehr ganz so übel wie gestern, aber trotzdem habe ich durchaus Grund zum Meckern, ist es doch in Deutschland um einiges wärmer …

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Ziel des Ausflugs war eine Ausstellung von Gemälden und anderen Werken einer Sängerin, deren musikalisches Werk wir vor einiger Zeit kennen und lieben gelert haben, und ihrem Vater. Spannend fand ich ja die Idee, dass gerade Vater und Tochter gemeinsam ausstellen, und interessant war es dann auch, deren Werke nebeneinander zu sehen (und einiges aus der Musik finet sich dann auch in ihren Bildern und Statuen wieder …

19-02-25-1294.jpg(Vater)

19-02-25-1299(Tochter)

 

 

 

 

 

 

Der Wetterbericht verspricht keine große Änderung …

Wieder einmal habe ich einen ganzen schweren Rucksack mit Photokram mit mir rumgeschleppt. Irgendwann erwähnte ich S. gegenüber, dass ich ja noch gar kein Photo gemacht hätte und sie sagte: „Ans Photographieren ist jetzt doch gar nicht zu denken, wir kämpfen darum, am Leben zu bleiben.“
Gemeint war, dass wir bei eisigen Temperaturen gegen den mit nassesten Schneeflocken gesättigten eisigen Wind in Sturmstärke angingen, der uns in Istanbuls wichtigster Einkaufsstraße entgegenpfiff und trotz Mütze, Schal, wärmsten Winterjacken, Handschuhen und was immer der Kleiderschrank hergibt, zum grausamen Gefühl eingefrorenen Hirns führte, nachdem die Stirn schon kaum noch fühlbar war – bei zu kalten Getränken nennt man das Hirnfrost oder so.
Der Schnee bleibt zwar nicht dauerhaft liegen – zumindest nicht bei uns, zwei, höchstens drei Meter über Meeresspiegel – aber es reicht für reichlich Schneematsch und gefühlten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Wie üblich denke ich mir mal wieder, dass ich in Deutschland noch nie so gefroren habe, wie hier in Istanbul oder auch wie damals in Ägypten (da war es zwar nur um die 13 bis 15 Grad kalt – über dem Gefrierpunkt aber mangels Isolation und Heizmöglichkeit war es eben überall gleich kalt, am Arbeitsplatz, zu Hause im Wohnzimmer, im Restaurant, einfach überall, zu kalt eben)

einfach zu kalt

warum bin ich eigentlich zweitausend Kilometer in den Süden gereist? Eigentlich sollte es hier doch um einiges wärmer sein als daheim in deutschen Landen …

Nun gut, eigentlich kenne ich das ja schon von damals, als ich jedes Jahr im Februar, März jammerte darüber, dass es immer in der Türkei kälter war als daheim.

Immerhin gab es einiges zu sehen, an Nebel (sogar die Fähren über den Bosporus fuhren nicht, was wirklich nur selten vorkommt).

19-02-20-1258