Pizza 3

Heute sind wir wieder bei unserer Pizzeria vorbeigekommen. Heute gab es dann auch gleich die gewünschte Pizza (wieder lecker) und heute durften wir dann auch dafür bezahlen.

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es werde Licht

In der neuen Küche hat es mich mächtig gestört, dass die Arbeitsfläche (übrigens eine richtig große) arg unterbeleuchtet war.Also habe ich zwei Tage lang gebastelt und ein wenig in der ELektrik herumgepfuscht, so dass wir jetzt eine wirklich gut beleuchtete Arbeitsfläche haben.
Jetzt  habe ich endlich das erste mal in der neuen Wohnung richtig ausführlich gekocht – als ich fertig war, fiel mir auf, dass ich das schicke neue Licht gar nicht angeschaltet hatte.

Vergessen

Da das ein recht neuer Blog ist, muss ich zum Verständnis dieses Beitrags wohl kurz erwähnen, dass ich vor ungefähr zehn Jahren einen Unfall hatte, nach dem ich für zehn Tage im künstlichen Koma und für zwei oder drei Monate mehr im Krankenhaus blieb.

Jetzt bin ich zufällig über ein Dokument auf meiner Festplatte gestolpert, von dem ich zwar wusste, dass ich es geschrieben hatte, einige Zeit nachdem ich aus dem Krankenhaus gekommen war, das ich aber danach nie wieder gelesen hatte. Damals hatte ich versucht, die Erinnerungen an die Zeit nach dem Koma aufzuschreiben, die schon damals zu verblassen anfingen.

Die Zeit zwischen Koma und Realität verbrachte ich in einer eigenen Welt, von der ich tatsächlich nur noch Brocken erinnere: an Herbert erinnere ich mich noch, den Krankenpfleger, der in meiner Welt aus Deutschland nach Spanien ausgewandert war und sich nun um mich kümmerte (ich weiß noch genau, dass ich ihn fragte, warum er aus seinen alten Beruf (war er Koch gewesen?) ausgestiegen war, um jetzt in Spanien als Krankenpfleger zu arbeiten) und der heldenhaft die Armeen von Flöhen wegwischte, die ich immer wieder auf mich zukommen sah, große Flöhe, eher in der Größe von Fliegen, die in riesigen Gruppen die Kabel und Schläuche, an denen ich hing, heruterwanderten um sich an mir zu laben. Ich erinnere mich auch noch an die Pflaumenkönigin, die meine Mutter war und in Pflaumenbäumen von der geheimen Energie der Pflaumenkerne lebte und mit der ich dank dieser Energie von einem Baum zum nächsten fliegen konnte, vor allem aber erinnere ich mich noch an eine Melodie, die ich wohl an die Geräusche der Maschinen, an die ich angeschlossen war, angelehnt hatte, die aber, wie ich später herausfand, der Grundmelodie ähnelte, die in Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ immer wieder varieert wird, in meiner Phantasie aber gespielt von einem Instrument, das in Schulen auch den typischen Schulgong produziert.

Als ich jetzt in jenen alten Text hineinlas, las ich von Erlebnissen, an die ich mich gar nicht mehr erinnern konnte, nicht als eigene Erlebnisse erinnere (das Photographenpaar, das auf dem Krankenhausdach Konzerte veranstaltete zum Beispiel, kann ich als eigene Erinnerung nicht mehr wiederfinden, weiß aber nach dem Lesen, dass ich das alles tatsächlich erlebt hatte, diese Konzerte und Photoshootings gesehen hatte, teilgenommen und mit dem Photographen auch gesprochen hatte), ich las von Dingen, die dann als Erinnerung wiederkommen (die Kontaktlinsen, die ich trug und die direkt mit dem Computer verbunden waren, die ich dann teilweise beherrschen lernte und die manchmal dann auch abstürzten wie viele Jahre zuvor mein erster Computer abgestürzt war mit ins Unendliche wiederholten Einzelbildern – diesmal eben nicht die unendliche Wiederholung des Fensters, in dem ich gearbeitet hatte und das mit jeder Mausbewegung vervielfältigt wurde, sondern mit Bildern, die ich durch meine Kontaktlinsen hindurch gesehen hatte zum Beispiel).

Vor allem aber weiß ich jetzt, dass ich damals die Erinnerungen nur zu einem ganz kleinen Teil aufgeschrieben hatte – die Arbeit am Computer hatte mich einfach mächtig angestrengt in einer Zeit, in der ich froh war, wenigstens jeden zweiten oder dritten Tag die fünfhundert Meter zum Dorfladen gehen und den Weg nach Hause auch noch schaffen zu können, als ich auf 50 kg abgemagert war (immerhin 20 Kg weniger als ich vor dem Unfall gehabt hatte, bei 175 cm nicht wirklich viel). Nach zwei Tagen und zehn Seiten hatte ich die Arbeit auf später verschoben – und dann einfach nicht mehr weitergeführt.

Heute weiß ich, dass das ein großer Fehler war. Viel aus dieser Zeit, viel aus dieser komplett verrückten, anderen, aber in sich auch teilweise logischen und aus meinem realen Leben erklärbaren Welt, ist verloren. Viel habe ich wirklich vergessen. Übrig geblieben ist nur ein Grundgefühl der Geborgenheit, das ich in meinem Krankenhausbett (das mich in dieser Phantasiewelt dann auch vom spanischen Krankenhauskeller, in dem ich das erstemal operiert wurde in den Lieferwagen begleitete hatte, mit dem ich aus Spanien nach Deutschland entführt wurde und in das ich auch aus den Ausflügen mit der Pflaumenkönigin zurückkehrte) erlebt hatte, trotz heftiger Schmerzen, die mich begleiteten, trotz vieler Ungemach, trotz der Folter durch „Lungentraining“, wo mir eine seltsame Gesichtsmaske aufgesetzt wurde wodurch ich panische Erstickungsangst bekam und es sogar mit fixierten Händen schaffte, mir das Ding vom Gesicht zu streifen, …
Noch heute, einige Operationen und zehn Jahre später, würde ich lieber im jeweiligen Krankenhausbett liegen bleiben statt in ein freies Leben entlassen zu werden, auch bei meiner letzten Operation vor einem Jahr ging es mir so, ich legte mich in mein Krankenhausbett, überließ  mich entspannt den Ärzten, die mir dann irgendwann jene nette Spritze verabreichten, mit der ich sanft einschlief um mit bösen Schmerzen wieder aufzuwachen, um dann nach nur zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen zu werden – viel lieber wäre ich in meinem Bett, meinem Krankenhausbett, liegen geblieben.
(Erstaunlicherweise geht es mir mit meinen Betten im eigenen, gesunden, Leben ganz anders, die verlasse ich meist ganz schnell nach dem Aufwachen, auch zum Lesen ziehe ich jetzt andere Orte vor, während ich in meinen früheren Zeiten, auch noch lange nach dem Studium, am liebsten im Bett las.

Übrig geblieben sind auch einige Erinnerungen aus meiner Phantasiewelt, klar, aber sie verblassen, sehr viel habe ich wirklich schon vergessen.
Das was noch da ist, sollte ich endlich aufschreiben, auf dass ich nicht alles verliere, denn diese Welt, auch wenn sie real nur für eine paar Tage existierte (ich konnte nie selbst nachvollziehen, wie lange ich mich in ihr aufhielt, auch die Krankenschwestern, die sich um mich kümmern mussten, wussten nie, wann ich wirklich in der realen Welt war, wann in meiner Phantasie – als es mir schon besser ging, erhielt meine Schwester die Auskunft, ich sei schon wieder in die Phantasie abgedriftet und hätte behauptet, in Istanbul zu leben, was ja zu der Zeit der realen Welt entsprach, der Unfall war beim Urlaub in Deutschland geschehen, ich lag zwar im deutschen Krankenhaus, aber mein realer Lebensmittelpunkt, mein reales „Wohnen“ gehörte in die Türkei.

So, genau das wollte ich aufschreiben, dass ich viel vergessen habe aus jener Zeit und dass ich damals eben nicht alles aufgeschrieben hatte.
Beim Schreiben hier ist mir klar geworden, dass mir diese Welt aber nach wie vor noch sehr viel bedeutet, dass ich sie nicht verlieren will.

Pizza 2

Heute wollten wir wieder Pizza essen. In unserem kleinen Pizzaladen – der offensichtlich von Hauslieferungen lebt – angekommen, wurden wir informiert, dass die Küche zur Zeit ausgelastet sei, wenn wir bestellen wollten, würde es mindestens 25 Minuten dauern, man verstehe sehr gut, wenn uns das zu lang dauere und man wäre glücklich, uns ein andermal wieder begrüßen zu können, wenn es dann mit der Pizza schneller ginge.  S., die mal wieder wenig gegessen aber dafür um so mehr gearbeitet hatte, war das dann doch zu lang, also zogen wir weiter. Irgendwann wird es wieder klappen, und dann werden wir auch brav bezahlen 🙂

Entsorgungsnöte

Heute Nacht fand ich mich in Berlin wieder. Es gab irgendeinen internationalen Empfang auszurichten, wo ich beteiligt war – dieses war vorzubereiten, jenes geradezurücken, Stühle wurden getragen, allmählich kamen auch schon die ersten Gäste, während wir (meine Chefin gehörte dazu, sie hatte zwar die selbe Position inne, wie die letzte Chefin in Delhi, war aber nicht U., meine Kollegen waren verschiedene Personen aus den Jobs und Ländern der letzten zwanzig Jahre) noch zu tun hatten.
Im Verlauf irgendeiner Streitigkeit (ich kann mich nicht mehr wirklich erinnern, aber es hatte sich entwickelt ohne dass ich dabei die treibende Rolle innegehabt hätte) schnitt ich zwei verschiedenen Diplomaten jeweils einen Finger ab. Die Finger hatte ich nun in meiner Hosentasche.
Die Veranstaltung fing an. Ich hatte arge Angst, jemand könnte die Finger bei mir finden (dass hingegen zwei Männer mit fehlendem Finger dort sein mussten, die ja Zeugniss hätten ablegen konnten, fiel mir nicht auf). Der Staatsempfang ging seinen Gang, es gelang mir, die Finger im Rucksack verschwinden zu lassen. Als der Empfang dann aber zum Seminar mutierte, wo ich ein Buch aus dem Rucksack und nehmen und etwas vorlesen musste, war wieder die Panik da, jemand könnte die Finger bei mir  finden. Das Buch konnte ich ohne größere Probleme hervorholen, es war blutbefleckt aber ich las erfolgreich vor, die Finger blieben unentdeckt. Eine Professorin sagte dann zwar noch tadelnd, dass mein (immerhin fleckiges) Buch sehr unbearbeitet aussähe aber ich entkam ungeschoren, um mich in einem Auto auf einer sehr leeren Autobahn mitten in einem Wald wiederzufinden, wo ich die Finger dann einfach aus dem Fenster fallen ließ und mit ihrem Fall dann auch die Panik von mir fiel. Ich fühlte mich so befreit, dass ich unbeschwert aufwachen konnte.

Pizza

manchmal bin ich nett (und brauche außerdem etwas Bewegung, mein Schrittzähler läuft immer mit – nicht, weil ich aus statistischen Gründen wissen will, wie viel ich wann und wo durch die Welt laufe, sondern weil ich mir vorgenommen habe, nicht wieder als 90 kg-Wal durch die Welt zu schnaufen). Also gehe ich immer wieder mal S. entgegen, die von ihrem Job inzwischen heldenhaft nach Hause wandert.
Dabei kamen wir bei einer Pizzeria vorbei, oder besser gesagt, sie kam dort vorbei, wir trafen uns schon, bevor ich dort ankam. Sie schwärmte vom Duft, der aus dem Laden kam, also kehrten wir spontan für eine Pizza um. Wir einigten uns dann auf eine gemeinsame große Pizza und warteten – ich hatte es nicht gar so eilig, hatte ich doch schon zwei Mahlzeien im Laufe des Tages genossen, sie aber, die immer ohne Frühstück weggeht und oft genug während des zehnstündigen Arbeitstages  (leider ganz normal in der Türkei, oft werden es auch eine halbe bis anderthalb Stunden mehr) nicht wirklich zum Essen kommt, erwartete die Pizza sehnsüchtig.
Insgesamt arbeiten dort nur recht junge, nette Leute – einer von ihnen kam auf dem Weg zur Zigarettenpause an unserem Tisch vorbei und erinnerte sich in dem Moment, dass unsere Bestellung vergessen worden war – ich hätte es nicht gemerkt, hätte er es nicht gesagt, aber für S. war es schon eine harte Wartezeit.
Die Pizza kam denn auch bald (und war sehr gut), ratzfatz war sie verschlungen und wir wollten gehen – und natürlich vor dem Gehen bezahlen, schließlich wohnen wir um die Ecke und wollten sicher wiederkommen.
Siehe da, man weigerte sich einfach, unser Geld anzunehmen, nachdem wir hatten so lange warten müssen.
Nun, wir werden auf jeden Fall wiederkommen.

Wahlkampf

Im türkischen Fernsehen (und auch überall im Land auf Plakaten) ist ständig Erdogan bei der Eröffnung von irgendetwas zu sehen. Ein Flughafen wurde eröffnet, ein Volkspark, eine Pipeline (diefrühestens erst in einem Jahr in  Betrieb gehen wird), …
Der ahnungslose Beobachter, der ich bin, fragt also herum: Welche Wahl steht denn jetzt an? Ach so, die Kommunalwahlen.

System in Erdogans Politik ist ja der extreme Wahlkampf eben auch mit solchen Mitteln (vor der letzten Parlamentswahl wurden Schulen „feierlich eröffnet“, die schon drei Jahre in Betrieb waren). In allen gleichgeschalteten Medien erhält Erdogan so noch viel mehr Zeit und Platz als er sowieso schon beansprucht (vor den letzten Parlamentswahlen z.B. rein statistisch Erdogans Sendezeit über 80%, die aller anderen Parteien zusammen unter 20% in allen Sendungen, in denen politische Themen behandelt wurden).
Sehr typisch eben auch der Eröffnungsmarathon vor allen Wahlen: Alle Großprojekte, alle Schulen, Gerichtsgebäude, Straßen, … werden vor allen Wahlen vom Sultan selbst feierlich mit großer Medienpräsenz eröffnet, egal, wie lange sie schon fertig sind oder wie lange es noch dauert, bis sie fertig werden (Berühmtheit hätten eigentlich Gebäude erlangen müssen, die Erdogan und Konsorten vor den letzten Wahlen gleich drei mal mit großem Getöse feierlich in Betrieb nahmen, drei mal vor verschiedenen Wahlen eben –  aber leider vergisst man die einzelnen Sachen schnell, im Gedächtnis bleibt nur haften, dass die ja offensichtlich viel machen für das Land – und genau das ist es, was gezeigt werden soll: „Wir tun was“. Und da ist man sich nicht zu schade, ein Gerichtsgebäude, in dem man schon hunderte politischer Gegner hat verurteilen lassen, gleich noch einmal offiziell in Betrieb zu nehmen – in der Masse der Eröffnungen fällt es ja keinem auf, dass man das selbe Gebäude schon vor zwei Jahren als Hintergrund der ewig gleichen Zeremonie mit dem ewig gleichen Gelaber und Gepöbel gesehen hat).
Interessant höchstens, dass nach den Wahlen erst einmal Ruhe ist, bis zu den nächsten Wahlen wird dann nichts mehr in Betrieb genommen, nichts mehr fertig, nichts mehr eingeweiht – dafür hat der Sultan dann keine Zeit, das kommt erst wieder vor den nächsten Wahlen.