Archiv der Kategorie: Allgemein

andere Länder, andere Sitten oder so

Im fernen Istanbul benutze ich eine kleine praktische Map-Anwendung auf dem Telephon, die mir zuverlässig verschiedene Verkehrsverbindungen mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln zeigt – bisher tatsächlich ausführlich, zuverlässig, unter Berücksichtigung der meisten, wenn nicht aller verfügbarer Verkehrsmittel  und immer sehr gut funktionierend – selbst die angegebenen Zeiten entsprechen recht gut der Zeit, die man dann wirklich für den Weg braucht.

Im modernen mitteleuropäischen Kasseler Umfeld  stehe ich an der Haltestelle wohl wissend, dass die Straßenbahn in den nächsten Minuten ankommt (ich habe sie schon in einigen Kilometern Entfernung  herankommen sehen), während die selbe kleine, praktische Map-Anwendung mir sagt, die nächste Bahn (einer ganz anderen Linie, die hier gar nicht hält) käme erst am nächsten Montag wieder, fast zwei ganze Tage später – Verbindungen, um mein Endziel zu erreichen, wurden gar keine angezeigt …

In Indien wiederrum zeigte mir die selbe App zuverlässig günstige Wege für Motorräder an, was hier in Deutschland und der Türkei gar nicht vorgesehen ist, während es dort gar nicht erst die Option für öffentlichen Nahverkehr gibt.

Schon interessant, dass die gleiche App auf dem selben Handy in unterschiedlichen Ländern ganz unterschiedlich arbeitet …

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Im falschen Land …

bin ich offensichtlich.
Die letzten sechs Jahre habe ich in Indien bei durchgehend tropischen Temperaturen (in Chennai lagen die Tiefsttemperaturen im Winter bei 22, 23° nachts, in Bangalore dann waren es nur noch 15°C – und das war das extreme Minimum im tiefsten Winter).
Jetzt bin ich in Istanbul. Hier hat es heute geschneit!
(Na gut, ich habe in der warmen Wohnung nichts davon mitgekriegt, als ich hinaus ging, war es zwar kalt, aber schon fast sonnig, aber S. war im Schnee unterwegs und war ganz begeistert von den großen großen Schneeflocken)
Auf meinem täglichen Spaziergang konnte ich vom Schnee nichts mehr sehen, aber immerhin mal einen Blick auf den Bosporus werfen …

18-12-12-9589

Vergessen

Da das ein recht neuer Blog ist, muss ich zum Verständnis dieses Beitrags wohl kurz erwähnen, dass ich vor ungefähr zehn Jahren einen Unfall hatte, nach dem ich für zehn Tage im künstlichen Koma und für zwei oder drei Monate mehr im Krankenhaus blieb.

Jetzt bin ich zufällig über ein Dokument auf meiner Festplatte gestolpert, von dem ich zwar wusste, dass ich es geschrieben hatte, einige Zeit nachdem ich aus dem Krankenhaus gekommen war, das ich aber danach nie wieder gelesen hatte. Damals hatte ich versucht, die Erinnerungen an die Zeit nach dem Koma aufzuschreiben, die schon damals zu verblassen anfingen.

Die Zeit zwischen Koma und Realität verbrachte ich in einer eigenen Welt, von der ich tatsächlich nur noch Brocken erinnere: an Herbert erinnere ich mich noch, den Krankenpfleger, der in meiner Welt aus Deutschland nach Spanien ausgewandert war und sich nun um mich kümmerte (ich weiß noch genau, dass ich ihn fragte, warum er aus seinen alten Beruf (war er Koch gewesen?) ausgestiegen war, um jetzt in Spanien als Krankenpfleger zu arbeiten) und der heldenhaft die Armeen von Flöhen wegwischte, die ich immer wieder auf mich zukommen sah, große Flöhe, eher in der Größe von Fliegen, die in riesigen Gruppen die Kabel und Schläuche, an denen ich hing, heruterwanderten um sich an mir zu laben. Ich erinnere mich auch noch an die Pflaumenkönigin, die meine Mutter war und in Pflaumenbäumen von der geheimen Energie der Pflaumenkerne lebte und mit der ich dank dieser Energie von einem Baum zum nächsten fliegen konnte, vor allem aber erinnere ich mich noch an eine Melodie, die ich wohl an die Geräusche der Maschinen, an die ich angeschlossen war, angelehnt hatte, die aber, wie ich später herausfand, der Grundmelodie ähnelte, die in Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ immer wieder varieert wird, in meiner Phantasie aber gespielt von einem Instrument, das in Schulen auch den typischen Schulgong produziert.

Als ich jetzt in jenen alten Text hineinlas, las ich von Erlebnissen, an die ich mich gar nicht mehr erinnern konnte, nicht als eigene Erlebnisse erinnere (das Photographenpaar, das auf dem Krankenhausdach Konzerte veranstaltete zum Beispiel, kann ich als eigene Erinnerung nicht mehr wiederfinden, weiß aber nach dem Lesen, dass ich das alles tatsächlich erlebt hatte, diese Konzerte und Photoshootings gesehen hatte, teilgenommen und mit dem Photographen auch gesprochen hatte), ich las von Dingen, die dann als Erinnerung wiederkommen (die Kontaktlinsen, die ich trug und die direkt mit dem Computer verbunden waren, die ich dann teilweise beherrschen lernte und die manchmal dann auch abstürzten wie viele Jahre zuvor mein erster Computer abgestürzt war mit ins Unendliche wiederholten Einzelbildern – diesmal eben nicht die unendliche Wiederholung des Fensters, in dem ich gearbeitet hatte und das mit jeder Mausbewegung vervielfältigt wurde, sondern mit Bildern, die ich durch meine Kontaktlinsen hindurch gesehen hatte zum Beispiel).

Vor allem aber weiß ich jetzt, dass ich damals die Erinnerungen nur zu einem ganz kleinen Teil aufgeschrieben hatte – die Arbeit am Computer hatte mich einfach mächtig angestrengt in einer Zeit, in der ich froh war, wenigstens jeden zweiten oder dritten Tag die fünfhundert Meter zum Dorfladen gehen und den Weg nach Hause auch noch schaffen zu können, als ich auf 50 kg abgemagert war (immerhin 20 Kg weniger als ich vor dem Unfall gehabt hatte, bei 175 cm nicht wirklich viel). Nach zwei Tagen und zehn Seiten hatte ich die Arbeit auf später verschoben – und dann einfach nicht mehr weitergeführt.

Heute weiß ich, dass das ein großer Fehler war. Viel aus dieser Zeit, viel aus dieser komplett verrückten, anderen, aber in sich auch teilweise logischen und aus meinem realen Leben erklärbaren Welt, ist verloren. Viel habe ich wirklich vergessen. Übrig geblieben ist nur ein Grundgefühl der Geborgenheit, das ich in meinem Krankenhausbett (das mich in dieser Phantasiewelt dann auch vom spanischen Krankenhauskeller, in dem ich das erstemal operiert wurde in den Lieferwagen begleitete hatte, mit dem ich aus Spanien nach Deutschland entführt wurde und in das ich auch aus den Ausflügen mit der Pflaumenkönigin zurückkehrte) erlebt hatte, trotz heftiger Schmerzen, die mich begleiteten, trotz vieler Ungemach, trotz der Folter durch „Lungentraining“, wo mir eine seltsame Gesichtsmaske aufgesetzt wurde wodurch ich panische Erstickungsangst bekam und es sogar mit fixierten Händen schaffte, mir das Ding vom Gesicht zu streifen, …
Noch heute, einige Operationen und zehn Jahre später, würde ich lieber im jeweiligen Krankenhausbett liegen bleiben statt in ein freies Leben entlassen zu werden, auch bei meiner letzten Operation vor einem Jahr ging es mir so, ich legte mich in mein Krankenhausbett, überließ  mich entspannt den Ärzten, die mir dann irgendwann jene nette Spritze verabreichten, mit der ich sanft einschlief um mit bösen Schmerzen wieder aufzuwachen, um dann nach nur zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen zu werden – viel lieber wäre ich in meinem Bett, meinem Krankenhausbett, liegen geblieben.
(Erstaunlicherweise geht es mir mit meinen Betten im eigenen, gesunden, Leben ganz anders, die verlasse ich meist ganz schnell nach dem Aufwachen, auch zum Lesen ziehe ich jetzt andere Orte vor, während ich in meinen früheren Zeiten, auch noch lange nach dem Studium, am liebsten im Bett las.

Übrig geblieben sind auch einige Erinnerungen aus meiner Phantasiewelt, klar, aber sie verblassen, sehr viel habe ich wirklich schon vergessen.
Das was noch da ist, sollte ich endlich aufschreiben, auf dass ich nicht alles verliere, denn diese Welt, auch wenn sie real nur für eine paar Tage existierte (ich konnte nie selbst nachvollziehen, wie lange ich mich in ihr aufhielt, auch die Krankenschwestern, die sich um mich kümmern mussten, wussten nie, wann ich wirklich in der realen Welt war, wann in meiner Phantasie – als es mir schon besser ging, erhielt meine Schwester die Auskunft, ich sei schon wieder in die Phantasie abgedriftet und hätte behauptet, in Istanbul zu leben, was ja zu der Zeit der realen Welt entsprach, der Unfall war beim Urlaub in Deutschland geschehen, ich lag zwar im deutschen Krankenhaus, aber mein realer Lebensmittelpunkt, mein reales „Wohnen“ gehörte in die Türkei.

So, genau das wollte ich aufschreiben, dass ich viel vergessen habe aus jener Zeit und dass ich damals eben nicht alles aufgeschrieben hatte.
Beim Schreiben hier ist mir klar geworden, dass mir diese Welt aber nach wie vor noch sehr viel bedeutet, dass ich sie nicht verlieren will.

Pizza 2

Heute wollten wir wieder Pizza essen. In unserem kleinen Pizzaladen – der offensichtlich von Hauslieferungen lebt – angekommen, wurden wir informiert, dass die Küche zur Zeit ausgelastet sei, wenn wir bestellen wollten, würde es mindestens 25 Minuten dauern, man verstehe sehr gut, wenn uns das zu lang dauere und man wäre glücklich, uns ein andermal wieder begrüßen zu können, wenn es dann mit der Pizza schneller ginge.  S., die mal wieder wenig gegessen aber dafür um so mehr gearbeitet hatte, war das dann doch zu lang, also zogen wir weiter. Irgendwann wird es wieder klappen, und dann werden wir auch brav bezahlen 🙂

Duman

Gestern waren wir endlich mal wieder in einem live Konzert. Duman – bisher kannte ich nur einige ihrer Lieder – waren in einem Club in Kartal (auf der asiatischen Seite gelegen, in der Nähe unserer alten Wohnung, aber eben weit weit weg von unserer neuen Wohnung, aber da es erst um 22:00 Uhr anfangen sollte und natürlich erst 45 Minuten später dann tatsächlich begann, hatten wir reichlich Zeit auch nach S‘ Arbeitsschluss um 19:00 Uhr).
Ich mag die Musik, die ich von Duman kenne, vor allem „Sen den daha güzel„, eins ihrer bekanntesten Lieder.
Natürlich waren wir eine viertel Stunde zu früh da, die erste Enttäuschung war der „Club“, ein großer, dunkler, leergeräumter, kalter Raum mit zwei Theken an den Seiten, einer Bühne und einem Klo, das schon vor Beginn des Konzerts ziemlich verdreckt war, ein Ort mit der Ausstrahlung einer stillgelegten Lagerhalle.
Nun gut, allmählich füllte sich der Raum mit Leuten, meist jüngere, weniger Männer als Frauen, Publikum wie ich es auch erwartet hatte. Auffällig war, dass, während alle Welt auf das Konzert wartete, in jeder zweiten Hand ein Handy war, für die misslungen weil unterbeleuchteten Selfies, für die Nachricht an diesen oder jenen, für ein kurzes Gespräch oder bei S. um die Mail zu finden, auf die sie in ihrem Job den ganzen Tag gewartet hatte, die aber auch gestern Abend noch nicht gekommen war.
Irgendwann dann wurde das Publikum unruhig, es wurdegerufen, gepfiffen, aplaudiert, und schließlich und endlich kamen die Musiker auf die Bühne, das Konzert konnte anfangen.
Nie hat mich ein Konzert so unberührt gelassen. Die Musiker, vor allem der Sänger, machten den Eindruck, einen Job zu erledigen, der ihnen nicht viel bedeutete. Interaktion mit dem Publikum, untereinander oder wenigstens mit den Instrumenten gab es so gut wie gar nicht (natürlich spielten sie ihre Instrumente, aber da war nichts zu sehen von Energie, Bewegung, Spaß am Spiel, …). Nach jedem Lied drehte sich der Sänger zu seinen Mitspielern um, es gab immer relativ lange Pausen ohne das einer der Musiker ins Publikum geblickt hätte, man hatte prima Gelegenheit für einen Schwatz zwischendurch …
Im Gegensatz zu mir schien das niemandem etwas auszumachen, alle Welt sang kräfig bei allen Liedern mit (die meisten kannte ich noch nicht), es wurde kräftig applaudiert und manche Leute wippten wenigstens in den Knien – wirklich getanzt wurde kaum …
Ganz viele Leute aber machten Videos mit ihren Handys – ich hatte das Gefühl, der einzige zu sein, der weder photographierte noch das Konzert mitzuschneiden versuchte.

Kurz und gut: Ich hatte das Gefühl, dass die Musiker von Duman nicht gerade Weltmeister im Showmachen sind, auch wenn ihre Musik gut ist und mir nach wie vor gefällt.
Spannend das Ende des Konzertes: einfach so, ohne irgend eine Andeutung, legten die Musiker nach dem Ende eines Liedes die Musikgeräte an die Seite, verbeugten sich kurz gemeinsam vor dem Publikum und verschwanden. Daraufhin startete ein Run auf die Ausgänge – nur eine eingeschworene Fangemeinde Forderte nach einer Zugabe (es waren nicht soo viele, aber sie waren laut): „Sahneden cikayan Tayip’ci ol“, soweit ich verstanden habe und erinnere – „Wer von der Bühne verschwindet wird zum Erdoganfan“. Das fand ich dann doch lustig.
Wir entschieden aber, zur Zugabe, die dann doch anfing, nicht mehr wieder hineinzugehen, sondern setzten uns recht verforen ins Auto um uns in der alten Wohnung (es ist nach wie vor unsere und S‘ Mutter und ihr Neffe wohnen beide noch da, unser Zimmer ist jederzeit frei für uns)  endlich aufzuwärmen

 

Baustellen 02

Gestern gab es außer Baustellen nichts besonderes zu berichten:

– morgens: Terrasse grundieren (hatte ich Dienstag Abend nicht ganz geschafft – vor allem im Dunkeln nicht bemerkt, dass ich E.s Auto ziemlich arg bespritzt hatte, glücklicherweise ist sie tiefentspannt in Sachen Auto und hat mich nicht verhauen. Ich habe es gerade F. gezeigt und der meinte, wenn es seins wäre, hätte ich dafür mindestens Prügel bezogen 😉
– mittags: Tür schmirgeln, die neue Maschine (die alte hatte am Montag schon den Geist aufgeben) hat durchgehalten, die tiefen Ritzen und Löcher, die T. beim ersten Polierversuch hinterlassen hatte, konnte ich allerdings nicht ausgleichen, dazu hätte man mindestens drei, vier Millimeter abschleifen müssen und das gibt weder meine Geduld noch das schwache Sperrholz der Tür her). Erste Seite der Tür streichen.
-nachmittags: C., T.s Möchtegernschwiegervater, seines Zeichens Dachdecker, kam und gemeinsam haben wir das Garagendach mit Teerpappe winterfest gemacht (im Frühjahr kommt dann eine Estrichschicht darauf und die Terrasse wird wieder Terrasse). Zwischendurch ganz fix zweite Türseite gestrichen
– abends: Bis fast zum Dunkelwerden Dachpappen verschweißt bzw. Handlangerdienste geleistet.
später: alle zusammen sind wir zum Saisonabschluss in die 10 km entfernte Eisdiele gefahren und haben der Eislust gefrönt – Valerio hat nicht bedient, sonst hätte ich ihn mit einem Sonderwunsch verwirrt, normalerweise nehme ich ja den Joghurtbecher, gestern mal was anderes (Fehlentscheidung!). Interessant schon, ich war nur fünf, sechs Wochen in Deutschland dieses Jahr, aber trotzdem weiß er genau, was ich normalerweise nehme, das weiß er bei uns allen, wobei die anderen doch öfter dort sind als ich.
noch später: Vorm Computer eingeschlafen, so dass ich nicht zum Blogeintrag kam.

Heute: Wieder Baustellen. Diesmal nur die gestrichene Tür von gestern eingesetzt, eine Stahltür abgeschliffen und gestrichen.
Ausnahmsweise gab es Zeit für einen Mittagsschlaf.
Danach die zweite Türseite fast ganz gestrichen, die Farbe ging kurz vor Ende der Arbeit aus, also frustriert aufgehört und auf E. gewartet.
Mit Muttern zum Diabetologen (heißt das so), dann noch in den nächsten Baumarkt (hier auf dem Land muss man 20 Km fahren, um ein Döschen Farbe zu bekommen). Zu Hause dann gleich die Tür nochmal gestrichen, die wird heute Abend noch eingesetzt, womit das Partyraumprojekt meiner Neffen F. und T. nach Baubeginn im April jetzt allmählich einen Abschluss findet – die Türen lagen inzwischen ein halbes Jahr vor der Einfahrt und haben mich mächtig geärgert, also habe ich mich ihrer angenommen.

Nochmal Werbung

Vor 16, 17Jahren fänd ich das Mosquito Cafe in Kadiköy / Istanbul. Und auch heute noch wird es von den gleichen, netten Leuten betrieben, auch heute noch komme ich gern, auch wenn es heute kein Tiramisu gab.

Geändert hat sich auch einiges – aus den vier oder fünf Tischen vom Anfang sind zwanzig geworden, es gibt inzwischen auch diverse Biere auf der Speisekarte und diese, die Speisekarte, ist um einiges gewachsen. Aber wie gesagt, die Atmosphäre ist gleich geblieben,  einfach nett …20180911143342_IMG_7650.JPG