Ausnahmsweise Werbung

Normalerweise nenne ich keine Produktnamen oder Marken, das mag ich einfach nicht. Aber wenn ich jetzt über meine letzte Bankerfahrung schreibe, mag es ausnahmsweise erlaubt sein, warum ich hier den Namen nenne, wird klar, wenn es dann soweit ist.

Als Fremdländer in der Türkei harre ich zwar damals, als ich noch hier arbeitete, verschiedene Bankkonten – jedes mal, wenn der Arbeitgeber die Bank wechselte, haben wir auch alle ein neues Konto bei der entsprechenden Filiale bekommen. Ausserdem gab es damals nur wenige Banken, die gg eigenwilliges, aber relativ günstiges Modell anboten, Geld aus Deutchland in die Türkei zu transferieren – das Geld würde auf deren deutsches Konto überwiesen und landete dann wirklich auf dem eigenen türkischen Konto – zu einem Bruchteil dessen, was deutsche Banken für einen internationalen Geldtransfer verlangen.

Seit ich aber nicht mehr dauerhaft in der Türkei lebe sonder in ganz anderen Teilen der Welt, hielt ich es für eine gute Idee, eine internationale Bank auszuwählen für die wenigen  aber doch vorkommenden Transaktionen, die ich hier in der Türkei zu erledigen habe. Per Internet funktioniert das auch ganz gut, abgesehen davon, dass ausserhalb der Öffnungszeiten Aufträge zwar entgegengenommen aber erst während der normalen Banköffnungszeiten ausgeführt werden – immerhin besser als bei manchen indischen Banken, wo man auch per Internet nur zu Banköfnungszeiten aktiv werden kann.    Jetzt wo ich im Lande bin, wollte ich aber endlich eine ganz normale Checkkarte haben, um, wie alle anderen auch, am Bankautomaten an mein Geld zu kommen. Also beantragte ich eine in der entsprechenden Filiale, sie würde innerhalb einer Woche in die  Filile geliefert werden, Prima! Anderthalb Wochen später war keine da, man verwies mich auf die Telephonhotline, in der Filiale könne man nìcht nachverfolgen, wo der Prozess hängeng3blieben sei. Dort RIEF ich dann an -Oder besser, ich überliess S. das Sprechen, mir graut vor Telephonaten auf Türkisch, auch wenn ich es notfalls wohl auch allein könnte. Uns würde gesagt, die Karte könne wegen meines Wohnsitzes in Deutschland auch nur dort ausgeliefert werden, ich könne sie dementsprechend in der Filiale beantragen.

Also fand ich mich dort wieder ein, das Problem alsbald zu lösen. Dort stellte sich dann aber heraus, dass ich böser Fremdländer ohne türkischen Wohnsitz und türkische Personalausweisnummer gar keine Karte, weniger eine normale Checkkarte noch eine Kreditkarte, nicht einmal eine digitale Karte, die nur online zu verwenden ist, bekomme, das „neue System“ erlaubt das nicht mehr. Meine internationale Bank – jetzt sei mir erlaubt, sie mit ihrem Namen zu nennen,  die HSBC mit Niederlassungenüberall in der Welt erlaubt mir  Barabhebungen nur und einzig und allein, in der Filiale Maltepe unter Vorlegen meines kleinen Kontobüchleins und des Passes vorzunehmen, von allen modernen Zahlungswegen ausser dem Online-Banking schliesst sie Kunden aus, die keinen türkischen Wohnsitz und keinen türkischen Personalausweis haben.

Ich weiß nicht, ob das eine Regelung ist, die sich auf die HSBC Türkei beschränkt oder ob sie auf der türkischen Gesetzgebung basiert, aber die Ahnungslosigkeit und Unfähigkeit des Personals sprechen ganz und gar nicht für die Bank, es sei also auf jedem Fall davon abgeraten, dort ein Konto zu eröffnen.

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Umzugspläne

wir haben ja eine Wohnung gefunden, die dann auch spätestens Ende des Monats frei wird.

Gestern, am heiligen Samstag eben, an dem S. tatsächlich nicht arbeiten muss (viele Leute, auch in Büros wie ihrem, arbeiten auch samstags, S. hat dafür täglich neun bis zehn Arbeitsstunden, dafür aber eben auch einen freien Samstag), waren wir beim Makler, um den Vertrag zu unterschreiben – Vermieter und Mieter treffen sich dort und der Vertrag wird gemeinsam besprochen und unterschrieben.

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Maklerbüro – und ja, in diesen 1.5 mal 3 Metern saßen tatsächlich bis zu 9 Leuten.

Wir übergaben die Kaution (eine Monatsmiete – also 2300 TL, in Euro zur Zeit ca. 300, für S., die ja zur Zeit Alleinverdienerin mit einem teuren Ehegespons ist, eine ganze Menge, für viele türkische Familien unmöglich, für Ortaköy aber gar nicht sooo teuer), unterschrieben den Vertrag und gingen mit der Vormieterin noch einen Tee trinken. Die Gelegenheit nutzte ich für ein schnelles Photo des Hauses, wenigstens von außen.

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dort wohnen wir also demnächst, im ersten Stock, also in dem unteren, mit Holz verkleideten Teil – das Haus musste aus Denkmalgründen damals mit Holz verkleidet werden, auf dass es so aussieht, die die originale Bebauung.

Aber wie richtet man eine Wohnung ein, in die S. dann wirklich nach Möglichkeit sofort am 1. Oktober einziehen will und die aber bis dahin wohl noch von der Vormieterin bewohnt wird?

S. wollte unbedingt, ganz türkisch eben, eine Sitzgarnitur haben – darauf habe ich mich eingelassen, die haben wir schon letztes Wochenende eingekauft, sie wird dann nach Absprache geliefert, sobald S. in der Wohnung ist. Für die Küche brauchen wir die typischen Geräte, Schränke, Waschbecken und Ähnliches ist normalerweise in Mietwohnungen hier schon vorhanden und wird nicht von den Mietern gestellt.
Also haben wir heute gestern zwei Stunden Internetrecherche  auf der Suche nach passenden Kühlschränken und Waschmaschinen verbracht, um heute im Laden weitere eineinhalb Stunden zu verbringen um ein Angebot zu bekommen, auch das werden wir demnächst realisieren, auch die Sachen werden dann geliefert, sobald S. in der Wohnung ist – ich dränge darauf, möglichst viel – vor allem die teuren Sachen, möglichst bald zu besorgen, weil ich weiß, dass der gewaltigen Liraentwertung gegenüber Euro und Dollar der vergangenen Wochen sehr bald kräftige Preiserhöhungen folgen – oder, wie bei dem Möbelladen, in dem wir die Sitzgarnitur am Sonntag bestellt haben, am Montag schon erfolg sind.
Die Küchendinge kaufen wir nächste Woche, der Verkäufer ist zuversichtlich, dass es diesen Monat keine Preiserhöhung mehr gibt, nachdem die letzte am ersten des Monats stattgefunden hat.

Mit dem Angebot in der Hand war es jetzt Zeit, Matratzen auszuprobieren: in drei Geschäften lagen wir ca. 20 bis 30 verschiedene Matratzen Probe – ich hatte vorher schon klargemacht, kategorisch, dass ein türkisches Bett mit tausend Schnickerdönerchen und Stoffbezug hier und Stoffpusteln dort und Blumendesign in anatolisch bunt ganz sicher nicht in die Wohnung einziehen dürfte, in der ich dann auch zu leben hätte und S. hatte sich darauf eingelassen, zumindest später noch beim Möbelschweden (danke für den Namen, Frau Rabe ) zu schauen, ob wir da etwas finden würden, auf das wir beide uns einigen könnten.
Im ersten Geschäft dann haben wir uns wieder von dem netten, witzigen Mann beraten lassen, der auch unsere Sitzgruppenbestellung betreut hatte, mit sehr guten Ideen in Sachen Farbgebung, die wir dann aber leider aufgrund von eingestellter Produktion der Teile in den Farben, auf die wir uns einigten, dann doch nicht möglich war. Er empfahl uns den Jaguar unter den Matratzen, für 5800 Lira hätten wir tatsächlich eine sehr bequeme kaufen können (was dann fast das ganze Moatseinkommen von S. bedeutet hätte), wir fassten eine etwas günstigere ins Auge, die dann nur noch die Hälfte des Monatseinkommens kosten sollte, verließen dann aber nach zwei Stunden angenehmen Probeliegens und netten Gesprächs das Geschäft um uns noch ein wenig umzusehen – wir haben uns darauf geeinigt, ihn, wenn dann unsere Sitzmöbel in der Wohnung stehen, zum Kaffee einzuladen und gemeinsam Gestaltungsideen zu entwickeln, was sicher sehr spannend wird.
Der nächste Laden war schrecklich, lieblos gestaltet, er roch muffig, das Probeliegen machte in dem Muff keinen Spaß, die Beratung war lahm und absolut nicht qualifiziert, auch wenn die Matratzen insgesamt nicht unbedingt schlechter sein müssen und etwas günstiger sind. Dort wollte ich einfach nicht einkaufen.
Im dritten Laden dann wieder eine bessere Atmosphäre und eine sehr angenehme Matratze, die bezahlbar wäre und trotzdem keine Rückenschmerzen produziert, aber auch den verließen wir ohne Abschluss.

Endlich konnten wir zum Möbelschweden fahren. Sonntagabend ist auch in Istanbul offensichtlich die beste Zeit, staunend durch den großen und sehr europäischen Laden zu wandern – einen Parkplatz fanden wir erst einen Kilometer entfernt, inzwischen richtig hungrig mit viel Lust auf die berühmten schwedischen Hackfleischbällchen verbrachten wir eine halbe Stunde in der Essenswarteschlange, der Lärm im Restaurantbereich wurde nur dadurch erträglich, dass die große Gruppe am Nebentisch sich in Gebärdensprache unterhielt, wodurch wir in einer recht ruhigen Ecke saßen.
Gestärkt ließen wir die Sitzmöbelabteilung nach einigen Bemerkungen von S.  wie „uiii, das ist schön, guck mal, das Sofa ist ja toll, …“ links liegen, wohl wissend um die für türkische Verhältnisse tatsächlich sehr hohen Preise beim Möbelschweden.
In der Bettenabteilung dann ein Jauchzen: Ich zeigte ihr das Bett, das ich gern haben wollte, ganz ohne Stoffdingens und Schnickschnack und Tüddellüddel und es gefiel ihr – und auch der Preis sagte ihr zu, wir waren uns sofort einig, das Ding zu kaufen. Das Probeliegen ging ähnlich schnell: Natürlich war unser Wunschkandidat in der Türkei nicht mehr lieferbar, aber immerhin gab es noch genau ein Exemplar des zweiten Stückes, das uns beiden in Sachen Komfort, Ergonomie und Preis zusagte. Um sicherzugehen, dass wir mussten wir sofort entscheiden, kauften sie und dann gleich den Bettrahmen dazu, sausten durch den Rest des Geschäftes bis zu den  Selbstbedienungsregalen, einem System, das der Möbelschwede wohl weltweit in gleicher Weise betreibt und das für S. eine kleine Sensation war.
Zwischendurch klärten wir ab, dass die Matratze sofort in die neue Wohnung geliefert werden kann, wo ja unsere Vormieterin noch wohnt, während wir das Bett gleich mit nach Hause nahmen (das Auto hatte ich vorher ausgemessen und wusste, dass das Bett passen würde, wenn auch nur knapp).

Wenn S. also am 1. Oktober einzieht, kann sie sofort auf der Matratze schlafen, während das Bett dann zwei bis drei Wochen später in die neue Wohnung umziehen wird, sobald ich dann wieder aus Deutschland nach Istanbul zurück komme und wir haben zumindest zwei wichtige Sachen bezahlt, bevor die zu erwartenden Preiserhöhungen stattfinden –

Allerdings bestehen unsere Wochenenden zur Zeit nur aus dem Vergnügen, einzukoaufen und den Umzug zu organisieren, nicht einmal zu einem gemütlichen Kneipenbesuch haben unsere Kräfte ausgereicht. Ein Konzert, zu dem ich gerne gegangen wäre, ist einfach nicht möglich zur Zeit.

 

Smartphones

Ich selbst habe ja auch schon lange eines. Aber ich benutze es eher selten, vor allem nicht, wenn ich zusammen mit anderen bin.

Hier im Cafe ist das ganz anders.

Die eine geht vorbei, hat die Frontkamera eingeschaltet, betrachtet sich selbst und bessert gehend ihr Makeup aus, ich sehe ihren Hinterkopf und gleichzeitig im Telephon ihr Gesicht und den funkelnden Finger darin.

Der  nächste photographiert sein Gegenüber und ich gebe mir Mühe, nicht allzu deutlich im Hintergrund zu sein.

Ein anderer filmt heimlich das Mädchen ihm gegenüber, das Telephon und somit das Opfer seiner Filmaktion hochhaltend dem ganzen Cafe präsentierend, bis sie sich protestierend hinter der Jacke, die am Stuhl hing, versteckt.

Eine andere – wohlgemerkt in einer Gruppe von fünf jungen Frauen im tiefen Gespräch, an dem sie auch teilnimmt von Zeit zu Zeit – spielt Solitaire

Nein, im Allgemeinen mag ich die Teile gar nicht so sehr, obwohl sie ja manchmal ganz praktisch sind, vor allem, wenn man (alleine) mal eben ein bestimmtes Musikstück hören oder einen Weg finden muss …

Auf den Ohren-wo fängt die Wand an?

Auf dem Weg durch den öden Vorort Ugur Mumcu und den noch deren Yaka8äcik, durch die ich zur Zeit wandere, wenn ich allein unterwegs bin und zur Metro will, hatte ich heute ein Hörspiel auf den Ohren: Madeleine Hieß es „Wo fängt die Wand an?“.  Vordergründig geht es um ein verschwundenes Bild in einem Museum, aber eigentlich wird -auf eine witzige Art und Weise – die Diskussion um die Bedeutung und Bewertung zeitgenössischer Kunst ge – und vorgeführt. Oft genug sind die Scenen hinterlegt oder unterbrochen von kurzen Stücken aus Isao Tomitas „Picturesat an Exhibition“, der durchaus sehr interessanten Bearbeitung von Musssorgskis „Bilder einer Ausstellung“ von 1874.

Die Verbindung von Geschichte, Sprache und dieser Musik ist -zumindest für mich – einfach nur gut (nicht nur, weil die die meisten Stücke aus dem “ Ballet of teh Chicks in theirshells“ kommen, einer einfach lustigen Musik, sondern für mich eben auch, weil dieser Zyklus von Stücken gerade in der Bearbeitung von Tomita eine sehr wichtige Bedeutung in meinem Leben hat: Als ich vor fast genau zehn Jahren aus dem zehntägigen Koma nach einem schweren Verkehrsunfall erwachte – was sich wohl über Wochen hinzog, bildete eine Tonfolge ähnlich eines Stückes aus diesem Zyklus den Klanghintergrund für die Phantasiewelt, aus der ich nur langsam in die Realität zurückfand (zu finden in der Mitte des Stückes „TheGreat Gate at Kiev“ – dort kommen die Töne der sich wiederholenden und variierten Grundmelodie der von mir phantasierten Tonfolge in Tonhöhen, Klang, Geschwindigkeit am nächsten)

Und wenn ich schon dabei bin, mich an diese Melodie zu erinnern, sei mir erlaubt anzumerken, dass zwar allmählich die Erinnerung an diese Zeit verblasst, auch schon lange nicht mehr omnipräsent ist, wie zu Beginn, dass ich mich aber sehr gerne an eben diese Melodie erinnere, ja,mich manchmal bewusst darauf konzentriere, sie Summe oder Pfeife, um sie nicht zu vergessen. Schon interessant, dass dieses kleine Stück Erinnerung an eine schmerzvolle (im wahrsten Sinne des Wortes) und ganz und gar nicht einfache Zeit mir Sicherheit und auch ein Stück Geborgenheit gibt.

Ps.: beim Nachhören (Ich sitze mit einem recht guten Kaffee Latte in einem Cafe an einer recht belebten Straße in Kadiköy und sehe vermutlich recht seltsam aus mit Kopfhörern auf die Musik konzentriert, dem Telephon, das mir Musik ins Ohr brüllt und dem Tablet, auf dem ich tippe), mit Tomita auf den Ohren stelle ich jetzt fest, dass es wohl doch nicht das große Tor von Kiew war, sondern doch eher die Promenade. Egal, wenn ich wieder meine Kreditkarte benutzen kann, muss ich mir wohl die ganze Platte neu kaufen, meine ist vor vielen Jahren verloren gegangen mit allen anderen, die damals in der Obhut meines Bruders waren – eine andere Geschichte, die hier gerade gar nicht passt.

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Sivas

Nach dem Bad Dienstag Morgen fuhren wir nach Sivas. Das kenne ich schon, also gab es nichts neues, aber viel gucken, Kaffee trinken, ….

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Und natürlich gab es auch Essen, Fleisch im Brot, so heisst das Ganze und ist hier in der Gegend eine lokale Spezialität, nichts besonderes aber gut essbar.

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Auf dem Rückweg gab es dann noch kurz einen Stopp für ein Landschaftsphoto und am noch frühen Abend waren wir wieder daheim im Dorf.

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Also nutzte ich die Gelegenheit für ein neues Bad an me9iner Lieblinswarmenquelle. Als ich hinkam war zwar ein Auto da, aber die Leute hatten wohl nur Wasser geholt und saßen nun beim gemeinsamen Picknick – ältere Leute aus der Gegend eben. Sie boten mir ein Pide an – ich verstand „Vida“ = Schraube, wunderte mich zwar, was ich mit einer Schraube sollte, lehnte aber trotzdem dankend ab – der ältere Mann kam trotzdem mit einem in Zeitung eingehüllten Pide, was ich aber trotzdem ablehnen musste. Aber schon sehr nett. Wir unterhielten uns kurz über die Deppen, die die Umgebung der warmen Quelle verunreinigen, nachdem sie extra kommen, um ihren Kram zu reinigen und waren uns einig, dass wir unseren Müll mitnehmen würden. Immerhin.

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Endlich war ich also allein bei der Quelle und konnte meine Dusche genießen, dumm nur, dass ich keinen Schöpfer mitgebracht hatte, der hätte das Ganze sehr erleichtert  – das Wasser der Quelle, die in Beton und Metalrohre eingefasst ist, läuft auf zwei Rohren in ca. 50, 60 cm Höhe in den Pool und wenn man die Ablassrohre nicht verstopft, muss man sich eben unter die Rohre knien, setzen, quetschen, wenn man das Wasser von oben genießen will – so wie ich es dann eben machte.

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Zu Hause angekommen, gab es noch ein wenig Gartenarbeit, bei der ich mich betätigen durfte – zusammen haben wir die Terrasse geputzt und im Blumenbeet ein wenig Ordnung gemacht – insgesamt verging so ein ganz angenehmer aber eigentlich nicht besonders aufregender Tag.

Gestern dann habe ich spontan entschieden, nicht gemütlich über mehrere Stationen zurückzufahren, sondern gleich wieder nach Istanbul zu sausen. Entschieden, getan, um 11:30 startete (als ich um 7:00 Uhr aufwachte, war meine warme Quelle natürlich schon besetzt und K. schlief noch, aber dafür kam ein Nachbar auf einen Plausch mit dem Fremdländer vorbei, der natürich erst mal einen Tee bekam und dann gab es auch schon ein längeres Frühstück und schwupps fuhr ich auch schon ab). Um kurz nach acht hatte ich die 800 km hinter mir, trotz kurzer Pausen schneller als GoogleMaps meinte – aber dafür auch todmüde.

 

Kreditkartengeschichte

Heute bekam ich die Nachricht, dass meine Kreditkarte gesperrt wurde – per Email, also prüfte ich, da sie von der richtigen Bank kam, genauer. Ja, die Mail war tatsächlich von meiner Bank, auch der Quelltext der Mail bestätigte das, außerdem gab es keinen Anhang, was ja schon mal beruhigend ist. In der Mail wurde mein Name richtig geschrieben und die Kreditkartennummer richtig (mit xxxxxx in der Mitte) aufgeführt.
Die Mail besagte, dass bei einer Kontrolle festgestellt worden sei, dass meine Karte missbraucht wurde. Ich bekäme eine neue und solle die alte vernichten. Über Einzelheiten könne mir aber nichts mitgeteilt werden. Falls ich aber doch noch einmal die Karte benutzen müsste, könne ich einzelne Transaktionen über eine bestimmte Nummer freischalten lassen, wo ich dann die ganze Kreditkartennummer sagen sollte. Ah ja.

Aber trotzdem: Allen Überprüfungen zum Trotz war ich mir sicher, dass die Mail tatsächlich von meiner Bank kam und auch sonst alles stimmte – nur konnte ich mich an keine Gelegenheit erinnern, wo jemand meine Kreditkartendaten bekommen und hätte missbrauchen können

„Seltsam, sehr seltsam“ dachte ich bei mir. Die Mail schien wirklich von meiner Bank zu kommen. Also musste ich doch gleich mal mein Konto überprüfen, wenn da von Missbrauch gesprochen wurde, müsste ich ja wahrscheinlich umgehend tätig werden, um mein schwer verdientes Geld zurückzubekommen …

Und siehe da: tatsächlich sehe ich im Onlinebanking ein neues Kreditkartenkonto, während das alte auf Null geschaltet ist. Immerhin, der Betrag auf dem neuen Konto entspricht dem, was auf dem alten hätte  sein sollen, zumindest ungefähr. Also musste ich genauer schauen und die einzelnen Abbuchungen überprüfen (so viele sind es nicht, ich benutze die Karte eigentlich nur, um an Bargeld zu bekommen, ich weigere mich nach Möglichkeit, mit Karte zu bezahlen).
In den Umsätzen gab es dann auch auf den ersten Blick nichts verdächtiges. Oder doch? Ja, die letzte Abhebung hier in der Türkei war sehr seltsam: 1000 türkische Lira (etwas über 130 Euro zur Zeit) hatte ich abgehoben, das stimmte. Doch gleichzeitig hatte mir die selbe Bank genau diese 1000 Lira auch gutgeschrieben. Der Automat hatte mir also 1000 Lira ausgezahlt, von meinem Konto waren die aber nicht abgebucht worden. Seltsam, seltsam – und dumm, dass ich nur so wenig abgehoben hatte 😉

Offensichtlich hat es also seine Richtigkeit mit der Mail und es gab irgendein Problem, so dass ich demnächst eben eine neue Karte in Empfang nehmen werde.

Glücklicherweise muss ich zur Zeit nicht an mein deutsches Konto, ohne diese geniale Kreditkarte, die mir das kostenlose Geldabheben überall in der Welt ermöglicht, wäre ich ziemlich aufgeschmissen, hätte ich hier in der Türkei nicht andere Möglichkeiten, meine Kosten zu decken …

Nachschau – Sterben

Da ich meinen Blog ja wieder neu einrichten musste und einige Zeit offline war, gibt es jetzt ab und zu mal Nachschauen auf Ereignisse, die besonders wichtig, interessant, lustig, traurig oder was auch immer waren.Fangen wir mit der Konfrontation mit dem Tod an, der wir alle irgendwann einmal ausgesetzt sind – ich später als viele andere:

Am 22. August war ich also endlich wieder in Istanbul. Und klar, wenn man, wie ich, eine waschechte Türkin geheiratet hat, dann hat man auch die ganze Familie gratis dazu bekommen, also waren wir bei der ersten sich bietenden Gelegenheit – am darauffolgenden Samstag also – losgezogen, um S.‘ Vater einen Besuch abzustatten. Mit dem brachen wir dann auch gleich zu einen Spaziergang am Strand auf (auch sehr interessant, dass das Haus vor 30 Jahren fast direkt am Strand lag, während es inzwischen ca. 500 Meter geworden sind, die man bis zum Wasser wandern muss, über eine Küstenschnellstraße, für die Land aufgeschüttet wurde und über einen Park, für den ein Streifen von über zwei Kilometern Länge und ca 500 Metern Breite Land aus dem Marmarameer gewonnen wurde).

Als wir das Haus verließen, sprache eine Nachbarin aus dem Nebenhaus K., meinen Schwiegervater, an: die Nachbarin, die seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen hatte und die man seit der Erfindung des Internets auch nicht mehr auf dem Balkon oder am Fenster gesehen hatte, gab auch sonst keine Lebenszeichen mehr von sich. Der Angestellte des Supermarkts um die Ecke, der sonst Lebensmittel einkaufte und ihr an die Haustür brachte, hatte vergeblich bei ihr geklingelt, sie reagierte nicht auf Klopfen oder Klingeln,  man machte sich allgemein Sorgen. Also wurde verabredet, die Polizei zu rufen, die die Wohungstür öffnen und nach dem Rechten sehen sollte.

Als wir zurück kamen vom Spaziergang, war die Polizei da, die Ambulanz verließ den Ort des geschehens, später kam die Spurensuche, … Die Frau war tatsächlich verstorben, vermutlich am Vortag oder am selben Tag, da sie vorher noch Lebensmittel bestellt hatte.

Nach einigen Stunden kam dann auch das Beerdigungsfahrzeug um die Leiche abzuholen. K., der in der Nachbarschaft bekannt und beliebt ist, der sich um die Leute auch kümmert, der auch bekannt dafür ist, in schwierigen Situationen zu tun, was zu tun ist, bot seine Hilfe an – es ist durchaus üblich, dass Leute aus dem Umfeld bei solchen Tätigkeiten helfen, geschickt wurden zwei nicht gerade große und dementsprechend vor Kraft kaum strotzende Männer, um die Frau aus der engen Wohnung zu bringen, es war klar, dass Hilf notwendig würde. Ich weiß nicht, warum, aber ganz selbstverständlich sagte ich dann auch, dass, wenn nötig, ich auch helfen könnte, nicht zuletzt, weil K. mit seinen 75 Jahren und einem von langer und schwerer Grippe ausgemergelten Körper nicht wirklich der stärkste ist und um ihn zu untestützen.
Es schien tatsächlich so, dass nicht genug Männer da wären um die Frau auf aus dem Haus in den Sarg auf den Wagen zu bringen, also wurde ich dazu gerufen. Es war ein mulmiges Gefühl, die Leiche der Frau da auf dem Boden liegen zu sehen, die dann in einen schwarzen Beutel gehoben wurde, um sie nach draußen zu bringen, wo der Sarg schon wartete (hier werden die Menschen nicht, wie in Deutschland zum Beispiel, in einen eigenen Sarg gebettet, sondern in Tücher eingewickelt, der Sarg auf dem Fahrzeug dient nur zum Transport. Die Leiche wird dann auch ohne Sarg beerdigt).

Als ich gerade eine der Transportschlaufen des Beutels fassen wollte, um tatkräftig zu helfen, bückte sich schon einer der Polizisten danach – meine Hilfe wurde doch nicht mer gebraucht. Als dann gerade die Schlaufe, die ich in Händen gehabt hätte, auch noch beim Anheben riss und der Kopf der Frau auf den Boden krachte, war ich ganz froh, nicht gerade für diese Schlaufe verantworlich gewesen zu sein.

Insgesamt ein sehr seltsames Erlebnis. Für K. ist es ganz selbstverständlich, dass der Tod eben auch zum Leben gehört, dass man da einfach da ist und mit anpackt. Für mich, der ich in meinem ganzen Leben noch nie einen toten Menschen gesehen hatte, der immer einen großen Bogen um das Sterben herum gemacht hatte (ich weigerte mich ja sogar zu sterben, als ich selbst ziemlich kaputt für Tage im Koma lag) dann doch eine ganz eigene, beklemmende Erfahrung.