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Glocken

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich es genieße, hier fast jeden Tag relativ nah Kirchenglocken zu hören? Die beiden (armenischen) Kirchen hier sind näher als die nächste Moschee und wechseln sich scheinbar immer mal ab mit dem Geläut – am Wochenende sind es ganz normale Gottesdienste, zu denen geladen wird, in der Woche kann ich mir vorstellen, dass in der einen Kirche öfter mal zu Beerdigungen geläutet wird, der Friedhof ist nicht weit.
Interessant dabei ist, dass es mir ähnlich ging, wenn ich in Indien den Gebetsruf von Moscheen hörte, die gibt es dort ja auch öfter. Hier erinnern mich die Glocken an meine eine Heimat Deutschland, in Indien erinnerten mich die Muezzine an meine andere Heimat Istanbul (nur dass hier die Muezzine im Durchschnitt tausend mal besser singen/rufen als die in Indien)

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Auf den Ohren-wo fängt die Wand an?

Auf dem Weg durch den öden Vorort Ugur Mumcu und den noch deren Yaka8äcik, durch die ich zur Zeit wandere, wenn ich allein unterwegs bin und zur Metro will, hatte ich heute ein Hörspiel auf den Ohren: Madeleine Hieß es „Wo fängt die Wand an?“.  Vordergründig geht es um ein verschwundenes Bild in einem Museum, aber eigentlich wird -auf eine witzige Art und Weise – die Diskussion um die Bedeutung und Bewertung zeitgenössischer Kunst ge – und vorgeführt. Oft genug sind die Scenen hinterlegt oder unterbrochen von kurzen Stücken aus Isao Tomitas „Picturesat an Exhibition“, der durchaus sehr interessanten Bearbeitung von Musssorgskis „Bilder einer Ausstellung“ von 1874.

Die Verbindung von Geschichte, Sprache und dieser Musik ist -zumindest für mich – einfach nur gut (nicht nur, weil die die meisten Stücke aus dem “ Ballet of teh Chicks in theirshells“ kommen, einer einfach lustigen Musik, sondern für mich eben auch, weil dieser Zyklus von Stücken gerade in der Bearbeitung von Tomita eine sehr wichtige Bedeutung in meinem Leben hat: Als ich vor fast genau zehn Jahren aus dem zehntägigen Koma nach einem schweren Verkehrsunfall erwachte – was sich wohl über Wochen hinzog, bildete eine Tonfolge ähnlich eines Stückes aus diesem Zyklus den Klanghintergrund für die Phantasiewelt, aus der ich nur langsam in die Realität zurückfand (zu finden in der Mitte des Stückes „TheGreat Gate at Kiev“ – dort kommen die Töne der sich wiederholenden und variierten Grundmelodie der von mir phantasierten Tonfolge in Tonhöhen, Klang, Geschwindigkeit am nächsten)

Und wenn ich schon dabei bin, mich an diese Melodie zu erinnern, sei mir erlaubt anzumerken, dass zwar allmählich die Erinnerung an diese Zeit verblasst, auch schon lange nicht mehr omnipräsent ist, wie zu Beginn, dass ich mich aber sehr gerne an eben diese Melodie erinnere, ja,mich manchmal bewusst darauf konzentriere, sie Summe oder Pfeife, um sie nicht zu vergessen. Schon interessant, dass dieses kleine Stück Erinnerung an eine schmerzvolle (im wahrsten Sinne des Wortes) und ganz und gar nicht einfache Zeit mir Sicherheit und auch ein Stück Geborgenheit gibt.

Ps.: beim Nachhören (Ich sitze mit einem recht guten Kaffee Latte in einem Cafe an einer recht belebten Straße in Kadiköy und sehe vermutlich recht seltsam aus mit Kopfhörern auf die Musik konzentriert, dem Telephon, das mir Musik ins Ohr brüllt und dem Tablet, auf dem ich tippe), mit Tomita auf den Ohren stelle ich jetzt fest, dass es wohl doch nicht das große Tor von Kiew war, sondern doch eher die Promenade. Egal, wenn ich wieder meine Kreditkarte benutzen kann, muss ich mir wohl die ganze Platte neu kaufen, meine ist vor vielen Jahren verloren gegangen mit allen anderen, die damals in der Obhut meines Bruders waren – eine andere Geschichte, die hier gerade gar nicht passt.

Dz5 5  666